ABCAnalyser verständlich

Ich habe eine ABC-Analyse. Und was jetzt?

In unseren vorherigen Blog-Einträgen haben wir nachgeschaut, warum Sie Ihre Produkte in ABC klassifizieren sollten und wie genau das geht. Nun, da Sie mehr über die Vorteile der Klassifizierung erfahren haben, lautet die nächste logische Frage: Was mache ich damit?

Es ist wichtig zu wissen, welche Produkte Ihr Hauptgeschäft bilden und bei welchen es in Betracht gezogen werden sollte, die gar nicht auf Lager zu haben. Aber es gibt noch so viel mehr, was Sie mit diesem unglaublich machtvollen Hilfsmittel anstellen können. In diesem Post werden wir uns anschauen, wie Sie den größten Nutzen aus deiner Klassifikations-Matrix ziehen können.

Wenn Sie über eine guten Bestand-planungsanwendung verfügen, wird diese Ihnen immer zeigen, wo Ihre Produkte in dieser Matrix einzuordnen sind. Das ist eine wichtige Information, die Sie immer bedenken sollten, wenn Sie sich um ein Produkt kümmern, und sie sollte einfach zugänglich sein. Zum Beispiel:

Im Umgang mit überschüssigem Lagerbestand

Wenn ein Produkt als überschüssig gekennzeichnet wird, achten Sie auf seine Umlaufgeschwindigkeit. Wenn das Produkt eines mit hoher Umlaufgeschwindigkeit ist, sorgen Sie sich nicht allzu sehr um den Überschuss – es wird sich bald genug verkaufen. Halten Ihre nächste Bestellung einfach ein wenig geringer, um den Bestand wieder zurück auf das richtige Niveau zu bringen.

Wenn es sich allerdings um ein Produkt mit geringer Umlaufgeschwindigkeit handelt, ist das eine große, rote Flagge: Sie haben zu viel und es verkauft sich sehr langsam. Sie müssen in Aktion treten, um diesen Überschuss an Waren loszuwerden. Sie könnten einen Verkauf mit Preisabschlag starten oder das Produkt sogar an den Lieferanten zurücksenden. Was auch immer Sie tun, Sie werden diesen Lagerbestand loswerden wollen. Und seien Sie sehr vorsichtig mit weiteren Bestellungen. Sie wollen schließlich nicht all die Energie darauf verwenden, den Überschuss loszuwerden, nur um loszuziehen und mehr zu bestellen!

Im Umgang mit Bestellungsüberhängen

Auch hier gilt wieder ein sehr ähnliches Prinzip. Wenn Sie einen Überhand an Produkten bestellt haben, die sich schnell verkaufen, ist das nicht das Ende der Welt. Aber die Bestellung zu vieler sich langsam verkaufender Produkte ist eine Todsünde. Und Sie werden sofort in den Feuerwehr-Modus umschalten müssen. Sie sollten die Bestellung stornieren – oder zumindest verzögern. Der einzige Zusatz hierbei ist, den Einkaufspreis der zu viel bestellten Produkte zu berücksichtigen, die sich schnell verkaufen. Wenn es Produkte mit hohen Kosten (einschließlich AH) sind, möchtest du die Bestellung vielleicht stronieren zugunsten des besseren Cashflows in Ihrem Geschäft.

Im Umgang mit ausverkauften Waren

Ihre erste Priorität bei ausverkauften Produkten liegt darin, sich um die Produkte mit hoher Umlaufgeschwindigkeit zu kümmern. Jeden Tag, den Sie ein AH-Produkt nicht vorrätig haben, bluten Sie Cashflow. Sie müssen das unbedingt sofort begradigen! Es könnte für Ihr Geschäft besser sein, von einem nicht bevorzugten Lieferanten mit höheren kosten zu bestellen, als dass Sich die Bestände von AH-Produkten ausgehen. Wenn dagegen Produkte mit geringer Umlaufgeschwindigkeit ausverkauft sind, sollten Sie diese nicht zu deiner obersten Priorität machen – vor allem, wenn es um ein CL-Produkt geht. Das könnte sogar ein guter Zeitpunkt sein, um zu testen, ob Ihr Geschäft überhaupt darunter leiden wird, diese Produkte gar nicht auf Lager zu haben. Oft ergeben sich daraus gar keine nachteiligen Effekte.

Bevorratungspolitik nach Klassifizierung festlegen

Es ist nützlich, die Klassifizierung eines Produktes zu kennen, wenn man über Ausnahmen nachdenkt wie auch bei der Festlegung der Bevorratungspolitik.

Natürlich möchten Sie niemals überholte Waren nachbestellen und Sie sollten nicht vorrätige Waren immer nur dann bestellen, wenn eine stabile Nachfrage danach herrscht, bspw. eine Kundenbestellung des Produktes. Aber was ist mit dem Rest? Lass uns einen Blick darauf werfen.

ABC-Klassifizierungsmatrix des Warenbestands, einschließlich HML-Klassifizierung

ABC-Ananlyse Bestand

Die grünen Felder

Dies sind unsere wichtigsten Produkte. Sie sollten eine hohe Ziel-Füllrate für diese Waren festsetzen. Die Art, wie Sicherheitsbestand bei höherer Füllrate exponentiell ansteigt, macht es unmöglich, 100% anzustreben – da Sie dafür eine unendliche Menge von Waren vorhalten müssten – aber Sie können ziemlich hoch setzen. Sie sollten auf mindestens 97% abzielen.

Üblicherweise sollten Sie für diese Produkte auch Ihren Warenzugangs-Zyklus verkürzen. Das bedeutet, dass Sie diese Artikel häufiger bestellen, was Ihnen zur regelmäßigen Prüfung dieser Produkte zwingt. Bedenken Sie auch, dass je kürzer Sie den Warenzugangs-Zyklus ansetzten, desto höher dein Sicherheitsbestand sein sollte – je mehr laufende Bestellungen Sie haben, desto höher ist das Risiko, dass etwas schief geht und Ihnen die Waren ausgehen.

Die roten Felder

Sie sind das genaue Gegenteil der grünen Felder. Es herrscht bei diesen Artikeln geringe Nachfrage und die Gewinnspanne ist gering. Sie können es Ihnen wirklich leisten, eine deutlich niedrigere Füllrate für diese Produkte anzustreben, weil es nicht von Bedeutung ist, wenn Ihnen diese Waren ausgehen. Ziele auf etwas Niedriges wie 90% ab. Sie möchten von diesen Artikeln mit geringer Gewinnspanne nicht belästigt werden, also stellen Sie sicher, dass der Warenzugangs-Zyklus lang angesetzt ist. Um die 90 Tage wird gut funktionieren. Das erlaubt es Ihnen, einfach alle 90 Tage eine große Menge dieser Langsam-Läufer zu kaufen und sie danach zu vergessen.

Das erste braune Feld

Diese A-Low Artikel sind langsam-laufende Produkte mit hoher Gewinnspanne. Weil sie teuer sind, können Sie wahrscheinlich keine hohe Ziel-Füllrate ansetzen. Tatsächlich können Sie     wahrscheinlich auch hier die 90% anstreben. Diese Produkte sind oft solche, auf die der Kunde warten wird, selbst wenn sie nicht auf Lager sind.

Sie möchten diese Langsam-Läufer nicht zu oft überprüfen, aber Sie möchten sie auch nicht „einrichten & vergessen“. Also wäre eine Warenzugangs-Zyklus irgendwo zwischendrin wahrscheinlich gut. Etwas um die 45 Tage sollte deinen Bedürfnissen entsprechen.

Das andere braune Feld

Das sind die C-High Artikel. Sie sind günstig, aber laufen schnell. Streben Sie eine höhere Ziel-Füllrate an als bei dem anderen braunen Feld. Sagen wir mal 93% oder so.

Sie können auch damit durchkommen, einfach größere Mengen von diesen auf einmal zu bestellen. Schließlich sind sie nicht teuer und Sie möchten nicht jeden Tag damit verbringen, Ihnen um die Produkte zu sorgen. Nimmer Sie etwas wie einen 60-tägigen Warenzugangs-Zyklus. Das sollte sie Ihnen vom Leib halten, aber die Verkäufe weiterlaufen lassen.

Die blauen Felder

Sie müssen mit diesen mittleren Produkten wahrscheinlich experimentieren. Aber eine gute Faustregel wäre, einfach eine niedrigere Füllrate, wie 92%, anzustreben und sie alle 30 Tage zu überprüfen.

Ihre Politik auf Basis der Matrix festzulegen verschafft Ihnen zwei Vorteile

Erstens werden Sie Ihr Betriebskapital dort investieren, wo es die größte Wirkung auf Ihr Geschäft haben wird. Zweitens werden Sie Ihre wertvolle Zeit und Aufmerksamkeit auf die Produkte verwenden, die für Ihr Geschäft wirklich wichtig sind.

Im nächsten Blogpost dieser Serie werden wir die Vorteile detaillierter betrachten. Also komm‘ auf jeden Fall wieder – und bis dahin, viel Spaß beim Kalssifizieren!

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