Warum haben wir immer Überschuss?

Um überschüssige Bestände zu finden, muss man nur eine Runde durch das Lager gehen und sich die Artikel finden, die sich seit Jahren nicht mehr gedreht haben. Diese alten, verstaubten Haufen sind meist die schlimmste Form von Überschuss: überflüssig oder Ladenhüter. Abseits der offensichtlichen Überbeständen, gibt es auch für andere Artikel Überbestände. Auch diese Kosten Sie Geld!

Was ist Überschuss und wie findet man die weniger offensichtlichen Artikel?

Einfach gesagt: Überschuss ist Bestand, der die Nachfrage übersteigt.

Warum die Aufregung über Überschuss? Ist das wirklich so schlimm?

Egal wie wir darüber denken, Überschuss bindet eine Ihrer wertvollsten Ressourcen. Je kritischer der Kapitalfluss in Ihrem Unternehmen ist, desto wichtiger ist es, diese überflüssigen Blockaden abzubauen und dafür zu sorgen, dass keine Neuen entstehen können.

Überschuss identifizieren

Vorweg, um Überschuss zu finden benötigt man die Klassifizierung eines Artikels – diese muss daher so genau wie möglich sein.

Zum Beispiel:

  • Für einen nicht lagergeführten Artikel wird jeder Bestand, der die offenen Kundbestellungen übersteigt, als Überschuss angesehen. Der Artikel-Status „nicht lagergeführt“ bedeutet hier, dass das Ziel ist, für diesen Artikel keinen Bestand zu führen. Also wird jeder „freie“ Bestand automatisch als Überschuss angesehen.
  • Um Überschuss für einen lagergeführten Artikel zu identifizieren bedarf es weitere Informationen. Der Lagerbestand darf nicht die Summe aus Sicherheitsbestand und kalkulierter Nachbestellmenge übersteigen. Dies wird oft als Maximalbestand bezeichnet. Jeder Bestand oberhalb dieser Grenze wird daher als Überschuss angesehen und sollte im Lager nicht vorhanden sein. Vorsicht: der Teil des Überschusses, der ohne die Beeinträchtigung der Lieferfähigkeit beim Kunden „entsorgt“ werden kann, erfordert eine andere Berechnung. Lesen Sie weiter um zu sehen, welchen Einfluss die Lieferzeit hat
    • Prognosen müssen so genau wie möglich sein
    • Die Lieferzeit muss korrekt sein
    • Der Bestellzyklus muss korrekt sein
    • Der Sicherheitsbestand muss richtig gesetzt sein
  • Der Einfluss der Lieferzeit im Bestellzyklus kann nicht ignoriert werden, wenn man die Menge des Überschusses berechnet. Bedenken Sie, wenn für einen Artikel der Überschuss „entsorgt“ wird und es keine offene Bestellung gibt, eine neue Bestellung erst wieder zum Bestellzeitpunkt + Lieferzeit eintreffen wird.
  • Tipp: Bevor Sie überlegen ein Warenwirtschaftssystem zu implementieren, vergewissern Sie sich, dass es auch die Einflüsse der Lieferzeit berücksichtig, wenn es um die Berechnung des Überschusses für lagergeführte Artikel geht.

Die Folgen des Überschuss für Ihr Unternehmen

Die Folgen durch Überschuss sind nicht immer offensichtlich:

  • Die Kosten für Lagerhaltung, Bestandsaufnahme, Versicherung, Beseitigung von Überschuss uvm. erhöhen die Betriebskosten und senken den Gesamtwettbewerbsvorteil
  • Die folgen verpasster Möglichkeiten; Geld was in Überschuss gebunden ist, hätte für Einkäufe von „gut laufenden“ Artikel eingesetzt werden können. Je öfter Sie das im Jahr machen (Lagerumschlagshäufigkeit), desto mehr Umsatz generieren Sie. Je öfter Sie diese Chance verpassen, desto größer sind die Folgen für Ihr Unternehmen.
  • Lagerkapital, was in überschüssigen Beständen gebunden ist generiert Ihnen keinen Umsatz. Es wird viel mehr noch für Arbeit sorgen, diese Artikel abzuverkaufen oder im schlimmsten Fall entsorgen zu müssen. Es taucht am Ende der Rechnung unterhalb des Strichs auf und es ist unangenehm, sich damit zu beschäftigen. Und es hilft erst recht nicht, diese Arikel zu ignorieren, da es in der Folge nur immer schlimmer werden würde.

Woher kommt der Überschuss

  • Einer der Hauptgründe sind Überprognosen – daraus resultieren zu hohe Bestellungen. Und je länger die Lieferzeit ist, desto größer wird die Bestellung und somit auch der Überschuss ausfallen
  • Die Versuchung, eine größere Bestellung aufzugeben, um einen größeren Rabatt zu kriegen. Nicht immer macht der bessere Preis auch einen besseren „Deal“ aus. Zu wissen, dass man Umsatz nur durch Drehungen generiert sind von allergrößter Wichtigkeit, wenn man diese Deals in Betracht zieht.
  • Wenn für Bestellungen mit einer Lieferzeit gerechnet wird, die größer als die tatsächliche Lieferzeit ist, treffen die Bestellungen ein, bevor diese tatsächlich benötigt werden
  • Wenn Sie ohne ein Warenwirtschaftssystem Ihre Bestellungen aufgeben ist die Gefahr groß, dass die Bestellmengen immer aus einem Bauchgefühl heraus aufgegeben werden. Dies kann bei Mitarbeiter zu Mitarbeiter zum Teil deutlich variieren.
  • Mindestabnahmemengen beim Lieferanten können zu Überschuss führen
  • Bestellungen für Sonderanfertigungen ohne konkrete Kundenbestellungen führen oft zu Überschuss
  • Die erste Bestellung eines neuen Artikels kann oftmals zu hoch ausfallen, wenn es im Markt nicht genügend Bedarf gibt
  • Zu Hohe Bestellmengen bei Artikeln mit begrenzter Haltbarkeit
  • Überhöhte Bestellmengen bei Artikeln, die durch die sehr kurze Haltbarkeit auch über Abvekäufe keine Abnehmer mehr finden

Zusammenfassung

Überschuss wird in allen Arten von lagerführenden Unternehmen auftauchen, es gibt jedoch ein paar Regeln die Ihnen helfen können, das Risiko von Überschuss zu reduzieren:

  • Benutzen Sie ein Warenwirtschaftssystem, das Ihnen eine gute Module zur Klassifizierung, Prognose, Berechnung des Sicherheitsbestands und Bestellungen liefert, so dass Sie die bestmögliche Bestellung aufgeben können
  • Eine Kernfunktion des System muss sein, ein Cockpit zu haben, in dem Sie alle überschüssigen Artikel sehen und nach Kosten sortieren können
  • Überprognostizierte Artikel müssen so schnell wie möglich korrigert werden
  • Überprüfen Sie regelmäßig die Lieferzeiten Ihrer Lieferanten, vor allem für die Artikel mit den höchsten Bestellmengen
  • Überschuss kann nie verhindert werden. Stellen Sie ein Team aus Mitarbeitern zusammen, dass für diesen Fall direkt weiss, was zu unternehmen ist. hierzu wird es nochmal einen gesonderten Blogeintrag geben.
  • Dieser Blogeintrag hat sich nur mit dem Überschuss im physischen Lager befasst. In nächster Zeit wird ein zusätzlicher Artikel erscheinen, der sich auch mit dem Überschuss aus Lieferketten beschäftigen wird
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