Ich habe die 9 Schritte befolgt. Warum ist mein Lager immer noch nicht im Gleichgewicht?

Reicht es aus, allein die 9 Schritte in Richtung optimale Bestellungen aus dem letzten Blog-Post zu befolgen, um perfekt ausbalancierten Bestand, einen hohen Servicegrad und minimale Lagerkapitalbindung zu haben?

Die Antwort ist nein!

Die optimale Auffüllmenge einer Bestellung zu bestimmen ist dabei nur der erste Schritt. In Wahrheit werden die Nachfrage und die Wareneingänge von Faktoren beeinflusst, die Sie nicht kontrollieren können.

Sobald eine Bestellung aufgegeben worden ist, müssen Sie Ihren Blick auf die Auswirkungen der Bestellung richten, falls sich diese Faktoren in die eine oder andere Richtung verändern.

Prognose-Management

  • Die meiste Zeit über können Sie nicht beeinflussen, was Ihre Kunden von Ihnen kaufen. Auch Prognosen können auch nie perfekt sein. Wenn Ihnen eine Prognose zu hoch oder tief vorkommt, passen Sie sie sofort an. So werden Sie genauere Berechnungen zu Umsatzverlusten, Fehlbeständen, Überschuss oder Notfallbestellungen erhalten.
  • Je größer die Lieferzeit ist, desto größer sind die Auswirkungen, die eine falsche Prognose haben wird. Es dauert länger, bis Sie die fehlenden Bestände wieder aufgefüllt haben und auch der Überschuss wird bei zu hohen Prognosen viel größer sein.
  • Übrigens: Wenn Sie Überschuss durch Ausverkäufe oder Promotion-Aktionen reduzieren, erhöht sich automatisch die Prognose, da diese Artikel stärker verkauft worden sind. Sie sollten an dieser Stelle die Prognose manuell anpassen, um für diese Artikel durch neue (zu hohe) Bestellungen nicht wieder Überschuss zu generieren

Lieferanten-Management

  • Lieferanten hängen ihrerseits in ihrer eigenen Versorgungskette, durch die es zu Verzögerungen oder unvollständigen Lieferungen kommt
  • Zu späte Lieferungen führen zu Fehlbeständen. Ist der Lieferant schuld, oder planen Sie mit einer Lieferzeit, die zu kurz ist?
  • Zu frühe Lieferungen führen zu Überschuss und binden unnötig Kapital
  • Die Lieferanten zu verwalten ist schwieriger, wenn Sie jedes Mal bei einem Anderen bestellen. Es gibt weniger Erfahrungswerte zu den Bestellungen und es ist ein höherer Aufwand, alle Bestellungen auf ihre Pünktlichkeit zu kontrollieren und ggf. Nofallmaßnahmen einzuleiten, falls sie sich verspäten
  • Wiederholtes Bestellen bei dem gleichen Lieferanten stärkt das Geschäftsverhältnis und führt häufig zu zuverlässigeren Lieferungen
  • Passen Sie die Lieferzeiten an, sobald sie sich verändert haben. Nochmals: Dadurch werden alle Berechnungen zu Bestellungen, Überschuss, pot. Überschuss und pot. Umsatzverlusten genauer!

Einige weniger offensichtlichen Faktoren für ein unausgeglichenes Lager sind:

  • falsche Lieferantennummern
  • doppelte Artikelnummern
  • falsche oder fehlende Stücklisten
  • mangelhaft gepflegte Nachfolgeartikel

Fazit

  • Der Ausdruck „der Teufel steckt im Details“ trifft auch auf die Lagerhaltung zu – vielleicht sogar noch mehr als woanders. Das liegt daran, dass wir mit Einflüssen zu kämpfen haben, auf die wir wenig bis gar kein Einfluss haben.
  • In der Bestandsführung gibt es das Gesetz des sinkenden Grenzertrags. Es gilt: eine 80% Lösung für das Lager IST eine perfekte Lösung. Die Zeit, die Sie in eine Steigerung investieren würden, würde sich an anderer Stelle als deutlich wertvoller erweisen.
  • Es ist offensichtlich, dass Bestellungen regelmäßig aufgegeben werden müssen und das dies meistens die Aufgabe des „Einkäufers“ ist. Die Umsetzung der oben genannten, korrigierenden Eingriffe ist jedoch ein Prozess, der meist von mehreren Leuten erledigt werden muss, die oftmals aber „zu beschäftigt“ sind, so dass diese kritischen Schritte nicht umgesetzt werden.
  • Voraussetzung ist ein Übersicht bzw ein Cockpit, dass Ihnen zeigt „was gestern schief gelaufen ist“. Um möglichst effektiv zu sein, sollten die Artikel nach absteigender Wichtigkeit sortiert werden
  • Die Person, die sich das Cockpit anschaut muss sofort verstehen, was und wann etwas unternommen werden muss! Der beste Weg um dies sicherzustellen ist, die erforderlichen Schritte zu erkennen und zu dokumentieren, sowie die zuständigen Mitarbeiter darin ausgiebig zu schulen
  • Ihre Arbeit muss protokoliert und überwacht werden, um sicher zu sein, dass die notwendige Arbeit erfolgt ist und auch die erwünschten Ergebnisse erzielt hat
  • Was kann man tun, damit diese Probleme nicht nochmals auftreten?
    • Das Feuer zu löschen ist einfach – Sie widmen sich den Problemen, die Sie förmlich anspringen, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen
    • Die Brandursache jedoch zu elimieren erfordert es, einen Schritt zurück zu gehen und die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Man muss sich Gedanken machen und sich vielleicht auch zusätzliche Meinungen einholen …

Das Wissen wann man Brände löschen muss, wie man die Ursachen bekämpft und wie man dafür sorgt, dass diese Probleme nicht wieder entstehen ist der Schlüssel zu einem erfolgreichem Unternehmen

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